Projekt

Problemhintergrund

Zur Erreichung der klimapolitischen Ziele hat die Bundesregierung beschlossen den Anteil Deutschlands am weltweiten CO2-Ausstoß kurz- und mittelfristig stark zu verringern. Für die Lausitz, eine Region mit Jahrzehnten der Erfahrung in der Förderung und Nutzung von Braunkohle, bedeutet dies den absehbaren Ausstieg aus der Braunkohleförderung und -verstromung mit all seinen ökonomischen, sozialen und politischen Begleiterscheinungen. Damit stehen die Menschen in der Region mehr als zuvor vor der Aufgabe, einen tiefgreifenden sozio-ökonomischen, ökologischen und kulturellen Strukturwandel zu bewältigen. Gleichwohl ergeben sich für das Leben in der Lausitz neben zahlreichen Herausforderungen ebenso Chancen für eine umfassende Transformation zu nachhaltigen Lebens- und Wirtschaftsformen.

Ziel / Fragestellung

Anliegen des BMBF-geförderten Projektes ist es, den Transformationsprozess im Zuge des Braunkohleausstiegs aus wissenschaftlicher Sicht zu begleiten und den Strukturwandel im Rahmen einer nachhaltigen Regionalentwicklung zu unterstützen. Dazu benötigt es eine prozessuale Unterstützung des aktuellen Leitbildprozesses sowie fachlichen Input für eine koordinierte und zielgerichtete strategische Entwicklung über die Landesgrenze zwischen Brandenburg und Sachsen hinweg.

Das Vorhaben zielt darauf ab, das Transformationspotential in der Lausitz zu erfassen, dessen Rahmenbedingungen zu evaluieren sowie dessen Ausschöpfen zu fördern. Das IÖR Dresden kann hierbei auf langjährige Erfahrungen bei der Erforschung von Prozessen der Nachhaltigkeitstransformation bzw. des Strukturwandels in Städten sowie Bergbaufolge- und Altindustrieregionen zurückgreifen. Das zentrale forschungsleitende Erkenntnisinteresse des Projektes folgt der Fragestellung, welche Ansatzpunkte zur Stärkung einer kleinteiligeren, diversifizierteren und attraktiveren Wirtschafts- und Sozialstruktur sowie zu einer dauerhaft umweltgerechten Entwicklung in der Region bereits existieren und welche Wege zur Weiterentwicklung, Erprobung und Umsetzung derartiger Vorhaben gangbar erscheinen. Zudem soll untersucht werden, inwiefern planerische Strategien und Visionen den Transformationsprozess unterstützen können. Im Zuge dessen wird neben vorhandener Sachkenntnis und Initiative vor Ort auch externe Expertise aus Wirtschaft und Wissenschaft insoweit eingebunden, dass sowohl eine nationale als auch eine internationale Perspektive Berücksichtigung finden.

Aus diesen grundlegenden Erkenntnisinteressen ergeben sich folgende Fragestellungen, die für die Arbeit des Projekts leitend sein sollen:

  1. Welche Ideen bzw. Visionen sind geeignet, einen auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Transformationsprozess in der Lausitz inhaltlich (und in der Folge gesellschaftspolitisch) tragen zu können?
  2. Wie werden diese Ideen (diskursiv/politisch/prozedural etc.) im Zuge des Strukturwandels handlungsleitend gemacht?
  3. Wie werden diese Prozesse der Regionalentwicklung aus einer Governance-Perspektive heraus politisch-gesellschaftlich gesteuert und welchen Wandel erfahren diese Steuerungsmechanismen vor dem Hintergrund der regionalen Herausforderungen?

Ansatz / Methodik

Der Ansatz, der im Projekt verfolgt wird, orientiert sich an der grundlegenden Leitlinie des IÖR, angewandte Forschung zum Nutzen der Region zu betreiben und dadurch gewonnenes Wissen wieder in die gesellschaftliche Praxis zu transferieren. Dies beinhaltet auch, den in der Gesellschaft der Lausitz bestehenden Widersprüchen und Zielkonflikten in den Vorstellungen bezüglich der zukünftigen Entwicklung der Region Rechnung zu tragen und diese regionale Heterogenität bewusst in der Forschungsarbeit zu berücksichtigen und abzubilden. Mit Blick auf das forschungspraktische Vorgehen folgt das Arbeitsprogramm einem Dreischritt:

  1. Erfassung regionaler/lokaler Innovationen, Ideen und Strategien zur zukunftsfähigen Entwicklung der Lausitz
  2. Reflexion, Erprobung, Anreicherung dieser Ideen unter Einbeziehung der Initiativen vor Ort und externer Expertise
  3. Einspeisung der Erkenntnisse in politische Entscheidungsgremien auf Bundes-, Länder- und kommunaler Ebene

Laufzeit / Finanzierung / Kooperation

Das Projekt hat eine Laufzeit von 10/2018 bis 09/2021 und wird mit Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) finanziert. Die Projektarbeit ist angelegt in Kooperation mit der Zukunftswerkstatt Lausitz (ZWL) und dem Institut für transformative Nachhaltigkeitsforschung (IASS) in Potsdam, wobei jeder der Kooperationspartner seine Projektarbeit in enger Abstimmung mit den Partnern eigenständig konzipiert, durchführt und verantwortet.